Modul 01 von 06 · 9 Minuten
Grundlagen: Was KI ist und wie Sprachmodelle arbeiten
Wie ChatGPT, Copilot und andere Sprachmodelle Texte erzeugen, warum ihre Antworten überzeugend klingen, auch wenn sie falsch sind, und wo KI in Ihrem Arbeitsalltag längst steckt.
Nach diesem Modul
- Sie können erklären, wie ein Sprachmodell eine Antwort erzeugt und warum das keine Wissensabfrage ist.
- Sie kennen die wichtigsten Grenzen generativer KI: Trainingsstand, erfundene Angaben, fehlender Firmenkontext.
- Sie erkennen KI-Funktionen in Ihren Arbeitsprogrammen, auch wenn sie nicht „KI“ heißen.
- Sie können einschätzen, wofür sich KI im Büro eignet und wofür nicht.
Inhalt dieses Moduls
So arbeiten Sie mit diesem Kurs
Der Kurs besteht aus sechs Modulen und dauert insgesamt etwa 60 Minuten. Sie können jederzeit unterbrechen und später weitermachen. Am Ende jedes Moduls finden Sie einen kurzen Selbstcheck mit fünf Fragen. Er ist nur für Sie gedacht: Ihre Antworten werden nicht gespeichert und nicht übermittelt.
Wenn Sie alle Module abgeschlossen haben, erhalten Sie eine Teilnahmebestätigung. Sie bestätigt, dass Sie den Kurs durchgearbeitet haben.
In diesem ersten Modul geht es um die Frage, die alles Weitere erklärt: Was passiert eigentlich, wenn Sie ChatGPT oder Copilot eine Frage stellen?
Was mit „KI“ gemeint ist
Künstliche Intelligenz ist ein Sammelbegriff für Software, die nicht nur festen Regeln folgt, sondern Muster aus großen Datenmengen gelernt hat. Ein Spamfilter, der unerwünschte Mails erkennt, ist KI. Ebenso die Software, die auf einem eingescannten Lieferschein die Bestellnummer findet.
Seit 2022 ist vor allem eine Form im Gespräch: generative KI. Sie erzeugt neue Inhalte, also Texte, Bilder, Tabellen oder Programmcode. Die bekanntesten Werkzeuge beruhen auf Sprachmodellen (englisch Large Language Models, kurz LLM). Dazu gehören ChatGPT von OpenAI, Microsoft 365 Copilot, Google Gemini und Claude von Anthropic.
Der Unterschied zu herkömmlicher Software ist für Ihre Arbeit entscheidend:
| Herkömmliche Software | KI | |
|---|---|---|
| Arbeitsweise | feste Regeln, von Menschen programmiert | Muster, aus Daten gelernt |
| Gleiche Eingabe | immer das gleiche Ergebnis | oft ein anderes Ergebnis |
| Fehler | wiederholbar, meist auffällig | unregelmäßig, oft gut versteckt |
| Beispiel | Excel rechnet eine Summe aus | Copilot schlägt Ihnen eine Formel vor |
Excel rechnet =SUMME(B2:B20) jedes Mal gleich und richtig. Ein Sprachmodell, das Ihnen eine Formel vorschlägt, kann beim nächsten Versuch eine andere vorschlagen, und beide können falsch sein.
Wie ein Sprachmodell eine Antwort erzeugt
Wahrscheinlichkeit statt Wissen
Ein Sprachmodell schreibt Text Stück für Stück. Bei jedem Schritt berechnet es, welches Wort (genauer: welcher Wortbaustein) am wahrscheinlichsten als Nächstes folgt. Dann hängt es diesen Baustein an und rechnet erneut. So entsteht Satz für Satz eine Antwort.
Ein vereinfachtes Beispiel. Der Satzanfang lautet: „Vielen Dank für Ihre Anfrage. Gerne senden wir Ihnen …“
| Mögliche Fortsetzung | Wahrscheinlichkeit (Beispielwerte) |
|---|---|
| unser Angebot | hoch |
| weitere Informationen | mittel |
| ein Muster | gering |
| eine Rechnung | sehr gering |
Das Modell nimmt meistens eine der wahrscheinlichsten Fortsetzungen. Es weiß dabei nicht, ob Ihr Unternehmen wirklich ein Angebot verschicken will. Es weiß nur, was in Millionen ähnlicher Texte üblicherweise auf diesen Satzanfang folgt.
Daraus folgt der wichtigste Satz dieses Kurses: Ein Sprachmodell erzeugt plausible Texte, keine geprüften Fakten. Bei allgemein bekannten Dingen ist das Plausible meistens auch richtig. Bei seltenen Angaben wie einer Artikelnummer, einem Aktenzeichen, dem Namen eines Ansprechpartners oder dem Preis eines Lieferanten ist „klingt passend“ etwas völlig anderes als „stimmt“.
Trainingsdaten und Trainingsstand
Sprachmodelle werden mit sehr großen Textmengen trainiert: Websites, Bücher, Fachartikel, Foren, Programmcode. Danach werden sie mit menschlichem Feedback nachtrainiert, damit sie hilfreich, höflich und im Dialog antworten.
Das hat drei Folgen für Ihre Arbeit:
- Das Modell kennt Ihr Unternehmen nicht. Es weiß nichts über Ihre Kunden, Ihre Preise oder Ihre internen Abläufe, solange Sie es ihm nicht mitteilen.
- Das Wissen hat ein Ablaufdatum. Das Training endet zu einem Stichtag, dem Trainingsstand. Was danach passiert ist, kennt das Modell nicht, es sei denn, das Werkzeug durchsucht für Ihre Frage das Internet.
- Das Modell übernimmt Muster aus den Daten. Dazu gehören auch Vorurteile und einseitige Darstellungen. Mehr dazu in Modul 3.
Was das Modell „sieht“
Ein Sprachmodell arbeitet mit dem, was im aktuellen Gespräch steht: Ihre Frage, der bisherige Verlauf und Dateien, die Sie hochladen. Diesen Arbeitsbereich nennt man Kontext.
Microsoft 365 Copilot geht einen Schritt weiter. Mit Ihrem Arbeitskonto kann Copilot auf Ihre Mails, Teams-Chats, Besprechungen und Dateien zugreifen, und zwar auf alles, wofür Sie eine Berechtigung haben. Bei Google Gemini in Gmail und Google Docs ist das ähnlich.
Warum falsche Antworten so überzeugend klingen
Sprachmodelle schreiben flüssig, gegliedert und in sicherem Ton, ganz gleich, ob der Inhalt stimmt. Sie haben keinen eingebauten Mechanismus, der zuverlässig meldet: „Das weiß ich nicht.“
Ein typisches Beispiel: Sie bitten um ein Urteil des Bundesgerichtshofs zur Gewährleistung bei gebrauchten Maschinen. Sie erhalten ein Aktenzeichen, ein Datum und eine Zusammenfassung. Alles sieht echt aus. Das Urteil gibt es aber nicht, weil das Modell ein plausibles Aktenzeichen zusammengesetzt hat. Solche erfundenen Angaben heißen Halluzinationen.
Werkzeuge mit Websuche, etwa Perplexity oder ChatGPT mit aktivierter Suche, nennen Quellen. Das senkt das Risiko, beseitigt es aber nicht: Auch eine verlinkte Quelle kann etwas anderes aussagen als der Satz, an dem sie steht.
Wofür KI sich eignet und wofür nicht
| Gut geeignet | Nur mit sorgfältiger Prüfung | Nicht der KI überlassen |
|---|---|---|
| Entwürfe für Mails, Angebote und Anzeigen | Fakten, Zahlen und Berechnungen | Entscheidungen über Menschen, etwa Bewerbungen oder Beurteilungen |
| Umformulieren, kürzen, Ton anpassen | Rechtliche und steuerliche Fragen | Verbindliche Zusagen zu Preisen, Terminen oder Haftung |
| Übersetzen | Quellen und Zitate | Sicherheitsrelevante Freigaben, etwa an Maschinen |
| Zusammenfassen und gliedern | Aktuelle Ereignisse und Gesetzesstände | Alles, was ungelesen nach außen geht |
| Ideen sammeln, Begriffe und Formeln erklären | Technische Daten und Produktangaben |
Die linke Spalte ist der Bereich, in dem Sie mit KI am meisten Zeit sparen. In Modul 2 lernen Sie, wie Sie dort gute Ergebnisse bekommen.
KI im Büroalltag: offensichtlich und versteckt
Die bekannten Werkzeuge
- ChatGPT (OpenAI): Allzweck-Assistent für Texte, Analysen und hochgeladene Dateien. Es gibt Versionen für Privatpersonen und für Unternehmen.
- Microsoft 365 Copilot: in Word, Excel, Outlook, PowerPoint und Teams eingebaut, mit Zugriff auf Ihre Arbeitsdaten.
- Google Gemini: in Gmail, Google Docs und Sheets sowie als eigene App.
- Claude (Anthropic): Assistent, der häufig für lange Dokumente und sorgfältige Texte genutzt wird.
- DeepL: Übersetzung, mit DeepL Write auch Formulierungshilfe auf Deutsch und Englisch.
- Perplexity: Suchmaschine, die Antworten mit Quellenangaben zusammenstellt.
Die versteckte KI
Viel KI arbeitet, ohne dass „KI“ draufsteht. Typische Beispiele aus dem Büro:
- Spam- und Phishing-Erkennung im Postfach
- Textvorschläge und Antwortvorschläge in Outlook oder Gmail
- Live-Untertitel, Transkripte und Besprechungszusammenfassungen in Teams oder Zoom
- Belegerkennung in der Buchhaltungssoftware, die Rechnungsdaten automatisch ausliest
- Bestellvorschläge und Absatzprognosen im ERP- oder Warenwirtschaftssystem
- Bewertung von Interessenten im CRM
- Vorsortierung von Bewerbungen in Bewerbermanagement-Software
- Chatbots auf der Website oder im Kundenportal
- Bildbearbeitung, etwa „Hintergrund entfernen“ in PowerPoint oder auf dem Smartphone
Warum das wichtig ist: Für die KI-Verordnung der EU spielt es keine Rolle, ob eine Funktion „KI“ heißt. Ihr Unternehmen setzt alle diese Systeme beruflich ein und hat deshalb Pflichten, die Sie in Modul 4 kennenlernen. Für Sie persönlich gelten dieselben Grundregeln wie bei ChatGPT: Ergebnisse prüfen und auf die Daten achten, die Sie eingeben.
Das Wichtigste in Kürze
- Sprachmodelle berechnen die wahrscheinlichste Fortsetzung eines Textes. Sie schlagen nicht in einer Datenbank nach.
- Plausibel ist nicht dasselbe wie richtig, vor allem bei Zahlen, Namen, Quellen und seltenen Fakten.
- Das Modell kennt Ihr Unternehmen nicht und hat einen Trainingsstand, nach dem es nichts mehr weiß.
- Copilot und Gemini können auf Ihre Arbeitsdaten zugreifen, im Rahmen Ihrer Berechtigungen.
- KI steckt in vielen Programmen, auch ohne Etikett. Die Regeln dieses Kurses gelten überall dort.
- Die Verantwortung für das Ergebnis bleibt bei Ihnen.
Selbstcheck
Fünf Fragen zur eigenen Orientierung
Wählen Sie eine Antwort, die Rückmeldung erscheint sofort.
Ihre Antworten werden nicht gespeichert und nicht übermittelt.
01Wie erzeugt ein Sprachmodell wie ChatGPT eine Antwort?
Sprachmodelle berechnen, welcher Wortbaustein am wahrscheinlichsten folgt. Deshalb klingen Antworten plausibel, sind aber nicht automatisch richtig.
Auflösung anzeigen
Richtig ist B: Es berechnet Stück für Stück die wahrscheinlichste Fortsetzung des Textes.. Sprachmodelle berechnen, welcher Wortbaustein am wahrscheinlichsten folgt. Deshalb klingen Antworten plausibel, sind aber nicht automatisch richtig.
02Sie bitten eine KI um ein Urteil des Bundesgerichtshofs und erhalten Aktenzeichen, Datum und Zusammenfassung. Was gilt?
Sprachmodelle setzen auch Aktenzeichen und Fundstellen plausibel zusammen. Solche Halluzinationen erkennen Sie nur durch Prüfung.
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Richtig ist C: Das Urteil kann erfunden sein. Sie prüfen es in einer verlässlichen Quelle.. Sprachmodelle setzen auch Aktenzeichen und Fundstellen plausibel zusammen. Solche Halluzinationen erkennen Sie nur durch Prüfung.
03Was weiß ChatGPT ohne Ihre Angaben über Ihre Kunden, Preise und internen Abläufe?
Das Modell kennt nur seine Trainingsdaten bis zum Trainingsstand und den Inhalt des aktuellen Gesprächs. Ihr Unternehmen kennt es nicht.
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Richtig ist B: Nichts Verlässliches. Was die KI wissen soll, müssen Sie ihr mitteilen.. Das Modell kennt nur seine Trainingsdaten bis zum Trainingsstand und den Inhalt des aktuellen Gesprächs. Ihr Unternehmen kennt es nicht.
04Welche dieser Funktionen arbeitet sehr wahrscheinlich mit KI, auch wenn sie nicht so heißt?
Belegerkennung beruht auf gelernten Mustern und ist damit KI. Summen, Seitenzahlen und Rückgängig folgen festen Regeln.
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Richtig ist A: Die Belegerkennung, die Rechnungsdaten automatisch ausliest. Belegerkennung beruht auf gelernten Mustern und ist damit KI. Summen, Seitenzahlen und Rückgängig folgen festen Regeln.
05Copilot zeigt Ihnen beim Zusammenfassen Inhalte aus einer Gehaltsliste, die Sie nicht sehen sollten. Was tun Sie?
Copilot greift auf alles zu, wofür Sie eine Berechtigung haben. Zeigt es Vertrauliches, ist eine Freigabe falsch gesetzt. Das muss die IT beheben.
Auflösung anzeigen
Richtig ist C: Der IT melden, denn die Datei ist vermutlich für zu viele Personen freigegeben.. Copilot greift auf alles zu, wofür Sie eine Berechtigung haben. Zeigt es Vertrauliches, ist eine Freigabe falsch gesetzt. Das muss die IT beheben.